Warum überhaupt Angst?

Wenn wir Angst haben fängt das Herz an zu rasen, wir schwitzen, der Bauch wird ganz unruhig, unsere Muskeln verkrampfen sich und wir fühlen uns einfach nur schlecht. Da wir davon ausgehen müssen, dass wir von Natur aus dazu erschaffen sind uns angenehm und glücklich zu fühlen, stellt sich die Frage, worin der Sinn eines solchen Gefühls liegt.

Urmenschen

Um die Antwort hierauf zu finden, müssen wir ein paar hunderttausend Jahre zurück zu unseren Vorfahren gehen. Auch wenn es damals noch keine Zahnärzte gab, war deren Leben keineswegs ungefährlich, so dass auf Dauer diejenigen am gesündesten blieben (und damit fortpflanzungsmäßig am erfolgreichsten waren), die bei Gefahr möglichst immer schnell die richtige Entscheidung trafen. Begegnete man z.B. einem Höhlenlöwen, so war es eher unpraktisch, diese ein wenig mit dem Speer zu kitzeln. Deutlich brauchbarer war da die Entscheidung sofort richtig zuzustoßen (d.h. aggressiv zu werden); noch besser war es vermutlich möglichst schnell weg zu laufen (d.h. die Gefahr zu vermeiden) oder sich möglichst still zu verhalten, in der Hoffnung nicht bemerkt zu werden. Egal für welche dieser Verhaltensweisen sich unsere Vorfahren entschlossen haben mögen, am erfolgreichsten werden immer diejenigen gewesen sein, die ihren Kreislauf möglichst schnell auf Trab bringen konnten, ihre Muskeln ganz schnell maximal anspannen konnten und insgesamt ein möglichst großes Interesse hatten, das Problem schnell zu lösen. Wer also erst mal überlegte, ob das Kätzchen denn überhaupt hungrig wäre oder sich vorstellte wie sich deren Fell zu Hause am Herdfeuer wohl machen würde, der hatte eher schlechte Chancen derartige Begegnungen zu überleben und anschließend einerseits den Seinen zu berichten, wie er's gemacht hat und andererseits, nur zur Sicherheit, nachts unter den Fellen dafür zu sorgen, dass seine Nachkommen es genauso machen. Auf diese Weise richtete die Natur es also auf ihre wie immer effektive und vermutlich auch durchaus lustvolle Art so ein, dass sich irgendwann alle unsere Vorfahren beim Anblick eines Höhlenlöwen derart schlecht fühlten, dass sie automatisch mit Herzrasen, Muskelverkrampfung usw. reagierten und alles taten, um der Situation so schnell wie möglich zu entkommen. Dabei ist es offensichtlich, dass es am praktischsten war, wenn man gar nicht erst auf den konkreten Anblick der Gefahr warten musste, sondern schon allein bei deren Geruch die entsprechende Reaktion hatte (da es Douglas damals noch nicht gab, konnte man alle Lebewesen noch anhand ihres Geruchs unterscheiden). Damit sind wir allerdings noch nicht am Ende unseres Ausfluges in die Entwicklungsgeschichte der Angst angekommen, denn hätten wir im Umgang mit Löwen auf Dauer nur die Verhaltensmöglichkeiten Töten, Verstecken oder Weglaufen gehabt, gäbe es keine solchen Tiere in unseren Zoos und der König der Löwen wäre nie geschrieben worden. Denn die gleichen Stoffe, die dafür sorgen, dass wir Herzrasen und feuchte Hände bekommen (Hormone) führen im selben Moment dazu, dass unser Gehirn besonders aufnahmefähig für neue Lösungswege ist. Dadurch sind insbesondere wir Menschen in der Lage, unsere ererbten Standardprogramme im Umgang mit angstauslösenden Situationen zu verändern und neue Lösungen zu erlernen.

Angst ist also eine lebenswichtige Reaktion, die es uns einerseits ermöglicht, schnell auf gefährliche Situationen zu reagieren, die uns andererseits aber im selben Moment besonders begabt sein lässt für die Entdeckung neuer Lösungswege.