Behandlungsmethoden

Die folgende Auswahl der mir bekannten Behandlungsmethoden erhebt keinesfalls den Anspruch vollständig zu sein. Außerdem entsprechen die jeweiligen Bewertungen ausschließlich meiner persönlichen Einschätzung und Erfahrung, wissenschaftlich korrekte Vergleiche der verschiedenen Ansätze sind derzeit praktisch nicht vorhanden.

Entspannungstechniken
Patientin

Körperliche Entspannung durchbricht den oben beschriebenenTeufelskreis der Angstreaktion und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zahnbehandlung wesentlich angenehmer erlebt wird. Standardmethoden wie Autogenes Training, progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder meditative Verfahren haben den Nachteil, dass ihre Erlernung im allgemeinen relativ lange Zeit erfordert. Diese Zeit kann selbst in spezialisierten Praxen aus organisatorischen und Kostengründen so gut wie nie aufgebracht werden. Diese herkömmlichen Entspannungsmethoden sind daher nur dann sinnvoll, wenn sie bereits vorab außerhalb des zahnärztlichen Kontextes erlernt werden können.

Dann sollte aber jeder "Angstspezialist" in der Lage sein, sie darin zu unterstützen ihre Methode bei der Behandlung anzuwenden.

Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapeutische Verfahren sind zur Zeit die häufigsten Methoden, die von Psychologen bei der Behandlung von Ängsten eingesetzt werden. Im Wesentlichen geht es dabei darum, sich in einzelnen Schritten an die angstauslösenden Reize zu gewöhnen. Je nachdem wie diese Schritte aussehen und wie groß sie sind, unterscheidet man verschiedene Verfahren. Bei der systematischen Desensibilisierung stellt sich der Patient die Reize zunächst nur vor und erst wenn er bei dieser Vorstellung entspannt bleiben kann, begegnet er ihnen in der Realität. Anders beim sogenannten Modellernen, hier beobachtet der bisher Ängstliche die Reaktion eines anderen Menschen, der in der Lage ist, mit der angstauslösenden Situation umzugehen. Beim Verfahren der Reizüberflutung schließlich wird der Patient (nach vorherigem Erlernen einer Entspannungsmethode) sofort massiv seinen Angstreizen ausgesetzt. Alle Verfahren lassen sich grundsätzlich auch in der Zahnarztpraxis erfolgreich einsetzen, erfordern aber einen sehr hohen Zeitaufwand. Hinzu kommt, dass es in Deutschland keine auf Zahnärzte spezialisierte Ausbildung gibt. Diese Nachteile haben dazu geführt, dass die Verhaltenstherapie im Zusammenhang mit der Therapie von Zahnbehandlungsangst innerhalb der Zahnarztpraxis in Deutschland nur sehr selten angewendet wird.

Hypnose

Hypnose ist die vermutlich älteste psychologische Methode, die zur Erleichterung von (zahn-)medizinischen Behandlungen eingesetzt wird.Während früher fast ausschließlich mit klassischer Hypnose gearbeitet wurde, kommen heute im zahnärztlichen Bereich zunehmend Verfahren der sog. modernen klinischen Hypnose (siehe dort) zur Anwendung. Im Zusammenhang mit der Behandlung von ängstlichen Patienten stellt Hypnose die schnellste und wirksamste Entspannungsmethode dar. Demgegenüber ist sie als alleiniges Verfahren zur Therapie von extremer Zahnbehandlungsangst nicht ausreichend (siehe Kombinierte Verfahren).

Kombinierte Verfahren

Hierunter lassen sich die zur Zeit wohl modernsten Methoden zur Angsttherapie in der Zahnarztpraxis zusammenfassen. Grundsätzlich bestehen diese Verfahren aus der Kombination einer der oben genannten Methoden mit der gezielten Aufarbeitung der negativen Wahrnehmungen und Grundüberzeugungen des Patienten im Zusammenhang mit seiner Angst. Insbesondere bei sehr großer Angst kommt es hierdurch zu einem deutlich schnelleren Behandlungserfolg. In Deutschland sind mir zwei Methoden bekannt. Eine an der Universität Witten-Herdecke entwickelte Variante, die eine Form der systematischen Desensibilisierung mit Entspannungstraining und mentaler Auseinandersetzung mit der eigenen Angst kombiniert sowie die im Rahmen der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose entwickelte sog. Ressourcenorientierte Angsttherapie, bei der die mentale Auseinandersetzung mit Hypnose kombiniert wird. Diese ermöglicht es dem Patienten, sich einen Zustand vorzustellen, in dem er seine Angst überwunden hat. Nach Benennung dieses Zustandes (z.B. als Gefühl der Entspannung, Geborgenheit oder auch Freiheit) wird er angeleitet, nach einer Erfahrung in seinem Leben zu suchen, in der er diesen Zustand bereits kennengelernt hat. Diese sog. Ressourcenerfahrung wird dann mit Hilfe von Hypnose als eine Art von innerer Wirklichkeit derart aktiviert, dass die äußere Realität "Zahnarztbehandlung" an Bedeutung verliert und als bewältigbar erlebt wird.

Beide Verfahren führen in vergleichbarer Zeit von ca. 60 - 90 Minuten zum Erfolg, wobei ich persönlich die Wittener Methode nur aus, allerdings sehr seriösen, Veröffentlichungen kenne, während die Ressourcenorientierte Angsttherapie in meiner Praxis das Standardverfahren bei Zahnbehandlungsphobie ist. Darüber hinaus ist mir für die Wittener Therapie kein Fortbildungsangebot für niedergelassene Zahnärzte bekannt, sodass eine solche Behandlung zur Zeit vermutlich nur an der Universität Witten-Herdecke sowie am sog. "Therapiezentrum für Zahnbehandlungsangst" in Bochum möglich ist. Demgegenüber ist die Ressourcenorientierte Angsttherapie auch in einer ständig wachsenden Anzahl von Praxen niedergelassener Kollegen verfügbar (Näheres unter "Wo finde ich Hilfe?").

Vollnarkose!?

Sanft entschlummern und anschließend mit vollständig sanierten Zähnen wieder aufwachen - ein nur zu verständlicher Traum vieler ängstlicher Patienten. Doch wie bei vielen anderen Träumen gibt es auch bei diesem leider gewisse Unterschiede zur Wirklichkeit. Da ist zum einen das grundsätzliche Risiko jeder Narkose; auch wenn ernsthafte Zwischenfälle sehr selten geworden sind, gibt es nach wie vor keine Garantie, dass ein Patient diese ohne spätere Folgen übersteht. Wesentlich bedeutsamer sind aber die Probleme, die direkt im Zusammenhang mit der zahnärztlichen Therapie entstehen. So können in Narkose zwar alle chirurgischen Behandlungen, wie z.B. Zahnentfernungen, Parodontoseoperationen durchgeführt werden und auch Füllungen sind möglich. Aber alle Maßnahmen, die sich nicht in einer Behandlungssitzung durchführen lassen oder die aktive Mitarbeit des Patienten erfordern, sind nicht in Narkose durchführbar, beziehungsweise führen zu sehr schlechten Behandlungsergebnissen. Dies bedeutet aber, dass sich Zahnersatz nicht in Narkose herstellen lässt! Darüber hinaus führt die Behandlung in Narkose zu keiner wesentlichen Besserung der Angst, da ja keine wirkliche Auseinandersetzung mit den angstauslösenden Reizen erfolgt.

OP

Dennoch kann die Narkose bei ängstlichen Patienten in einigen Fällen durchaus sinnvoll sein. Dann nämlich, wenn zu Beginn einer Gesamtbehandlung eine größere Anzahl von Zähnen entfernt werden muss, um anschließend einen einfachen Zahnersatz anfertigen zu können.

Daran sollte sich aber immer eine reguläre zahnärztliche Therapie, falls nötig nach vorheriger Angstbehandlung, anschließen.